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Südkorea

Von Australien geht es ins eisige Südkorea - mit gut 30 Grad Temperaturunterschied. Heute mit einem Beitrag von unserem Gastautor Max!


Der Blick auf das Display im Flugzeug lässt nichts Gutes erahnen. Neben der Ortszeit steht die Temperaturanzeige. Und diese steht bei gerade mal 3° Celsius. Bereits bei unserem fünfstündigen Stop-Over in Peking haben wir uns abgefroren, aber das hier legt nochmal eine Schippe drauf. Zugegeben, wir waren etwas naiv beim Buchen des Flugs, da wir erst im Nachhinein herausgefunden haben, dass hier in Korea tiefster Winter herrscht. Wir waren beide in der Annahme, asiatisches Land = warm und gemütlich. Tja, dies gilt vielleicht für südost-asiatische Regionen, aber definitiv nicht für Korea im Januar. Nachdem wir also durch die Einwanderungskontrolle sind, holen wir unser Gepäck vom Förderband ab und ziehen uns noch gut fünf weitere Schichten über, bevor es mit dem Zug ins Zentrum der Stadt geht. Es ist unser erstes mal in Korea und wir wissen beide wenig bis nichts über dieses Land. In den Medien wird immer viel von Nordkorea berichtet und das dessen Raketentests mitunter die Bevölkerung in Südkorea beunruhigt. Aber abgesehen davon betreten wir komplettes Neuland. Und genau da kommt es wieder: Dieses tolle Gefühl von Neugierde und Entdeckerlust. Dieses Kribbeln und diese Vorfreude auf Neues. Gerade in den asiatischen Ländern, welche durch ihre Kultur, Religion, Architektur, Lebensweise und kulinarisch unglaublich verschieden zu unserer sind, ist dieses Gefühl besonders stark ausgeprägt.


Die Zugfahrt dauert etwa eine Stunde und führt vorbei an den vielen ländlichen Vororten Seouls. Es liegt kein Schnee, aber da es Winter ist, wirken die Felder und die monotonen Betonklötze von Häuser irgendwie sehr grau, trüb und trist. Vorab habe ich mich im Internet etwas informiert und die zwei wohl bekanntesten Distrikte sind der Gangnam Distrikt und der Hongdae Distrikt. Gangnam ist das exklusive und moderne Zentrum Seouls. Hier gibt es neben gleißenden Wolkenkratzern viele Designerläden und elegante Nachtclubs. Nicht umsonst heißt es auch das Hollywood von Seoul. Wie man sich vorstellen kann, ist hier alles etwas hochpreisiger angesiedelt. Hongdae wiederum ist für seine kreative und künstlerische Atmosphäre bekannt, da es viele Galerien, Straßenkünstler und zu Kerstins Freude etliche Modemarken gibt, welche in Europa zur Gänze unbekannt sind. Somit entscheiden wir uns also unsere Unterkunft in diesem Stadtteil Seouls zu buchen.


Wir verstauen unsere Rucksäcke im Hostel und machen uns fertig für den ersten Abend. Um mal wieder etwas unter Leute und Gleichgesinnte zu kommen, haben wir nämlich beschlossen, uns ins koreanische Nachtleben zu stürzen. Und was würde sich dafür besser anbieten als, genau, ein Pubcrawl. Wir machen uns also auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Er liegt in der Hongdae Walking Street. Eine lebendige Fußgängerzone vollgepackt mit Restaurants, Modegeschäften, die in Korea sehr beliebten Fotokabinen, Souvenirläden, Spielhallen sowie Bars und Kneipen. Sie liegt nicht weit entfernt von der Universität und somit ist sie auch ein beliebter Anlaufpunkt für Koreas Jugend. Nach und nach trudeln die anderen Pubcrawler ein und mit zunehmenden Alkoholkonsum kommt man vermehrt ins Gespräch. Wir lernen allerlei coole Leute von den verschiedensten Orten der Welt kennen und verbringen einen lustigen und feuchtfröhlichen ersten Abend hier in Seoul.


Pub Crawl in Hongdae (Uncle Lee ist auch dabei!)

Leicht verkatert wachen wir am nächsten Morgen auf und müssen feststellen, dass das Thermostat mittlerweile den Nullpunkt unterschritten hat. Da wir nur einige wenige Tage hier sein werden, weigere ich mich noch zusätzlich eine Jacke zu kaufen, nur um diese dann in vier Tagen wieder wegzuwerfen. Unsere Rucksäcke sind jetzt bereits schon zum bersten voll und gerade für eine dicke Winterjacke haben wir wirklich keinen Platz mehr. Mit zwei Paar Hosen, einem Unterhemd plus T-Shirt, zwei Pullovern und einer dünnen Daunenjacke geht es also raus in die eisige Stadt. Unser Plan sieht vor, die nähere Umgebung etwas zu erkunden und wenn uns dann zu kalt wird, wärmen wir uns in einem der vielen umliegenden Restaurants wieder auf für den nächsten Gang nach draußen. Dieses Spiel werden wir so lange wiederholen bis wir Korea wieder verlassen. Kein schlechter Plan wie wir finden.  

 

Wir gehen wieder zur nahegelegenen Hongdae Walking Street. Es ist Sonntag, 10 Uhr morgens und die Stadt scheint immer noch zu schlafen. Die Straßen sind weitestgehend leer, ein paar vereinzelte Restaurants und Geschäfte scheinen aber langsam zu öffnen. Es wirkt, als würde sich das Leben hier mehr Abends abspielen. Wir stärken uns erstmal mit einer warmen und scharfen Udon Nudelsuppe. Bestellt wird im Eingangsbereich des Restaurants vollautomatisch an einem elektronischen Terminal. Wir bekommen eine Nummer zugewiesen und schon kurze Zeit später werden wir aufgerufen. Diese Art des Bestellens mag für uns etwas ungewöhnlich erscheinen, aber in den nächsten Tagen unseres Aufenthalts hier, merken wir, dass dies hier völlig normal und viel gängiger als direktes Bestellen bei einem Kellner ist. Der aromatische Duft der klaren Suppe steigt in unsere Nase. Spicy Udon, dicke Weizenmehl-Nudeln, serviert mit scharfem eingelegtem Kohl, genannt Kimchi, und garniert mit getrockneten Thunfischflocken. Eine herrlich würzige und scharfe Kombination, die uns für die kalten Außentemperaturen wieder Kraft gibt.


Spicy Udon


Eine der vielen Nudelsuppen die wir hatten

Beim Verlassen des Restaurants haben sich die Straßen schon etwas mehr gefüllt und es wirkt deutlich belebter wie noch vor einigen Stunden. Mein Blick schweift durch die Gegend. Große Hochhäuser mit riesigen elektronischen Werbeplakaten sowie pulsierender Verkehr und hektische Stimmung entlang der Hauptstraße. Die Nebenstraßen bei unserer Unterkunft wiederum sind etwas ruhiger. Sie sind sehr verzweigt, eng und gefühlt an jeder Ecke gibt es Restaurants, welche mit koreanischem BBQ werben. Die Häuser sind dicht aneinander gebaut und gehen nicht mal ansatzweise so in die Höhe wie in Hongkong. Ein Blick auf die Karte lässt auch erahnen, wie unglaublich weitläufig Seoul eigentlich ist. Ich versuche einen Vergleich zu irgendeiner von mir bereits bereisten Stadt herzustellen, aber es mag mir einfach nichts einfallen. Seoul scheint seinen ganz eigenen Charme und Charakter zu versprühen.


Morgenstimmung in der Hongdae Walking street

Streetfood in der Hongdae walking street

Es dauert nicht lange und Kerstin hält es nicht mehr aus mit der Kälte. Zugegeben, der Wind macht es zusätzlich noch deutlich unangenehmer und so geht es erstmal in eines der vielen umliegenden Modegeschäfte. Hier gibt es alles was das Herz begehrt. Frauen wie Herrenmode und das alles zu einem sehr attraktiven und günstigen Preis. Generell fällt uns auf das die KoreanerInnen sehr modebewusst sind und viel auf ihr Äußeres achten. Wie mir Kerstin erzählt, zählen die Kosmetikprodukte von hier zu den Besten der Welt und das lässt sich wohl an deren oft makelloser Haut gut erkennen.

 

Trotz der Kälte ist es schön, durch die Straßen zu schlendern. Da wir beide kein kaltes Weihnachten gehabt haben, gibt es uns irgendwie eine gewisse Weihnachtsstimmung, die wir in dem Moment durchaus geniessen. Auf dem Weg zurück ins Hotel bleiben wir kurz stehen und sehen in die Auslage eines Restaurants. Es dauert nicht lange, da öffnet uns der Besitzer die Tür und winkt uns herein. Beim Betreten steigt uns bereits der Duft von rauchig gegrilltem Fleisch in die Nase. Korean BBQ. Bei dieser speziellen und gefühlt hier in Seoul überall vertretenen Form des BBQ befindet sich der Grill direkt am eigenen Tisch und man brät sich die Fleischstücke selbstständig ab. Es gibt viele verschiedene Formen wie wir erfahren. Entweder auf heißen Steinen, über Holzkohle oder wie es am gängigsten scheint, über Gasflamme gegrillt. Wir setzen uns also an den Tisch wo in der Mitte bereits eine große runde Grillplatte integriert ist. Darüber hängt ein langer Dunstabzug, der zu einem verzweigten Abluftsystem an der Decke führt. Die Kellnerin kommt vorbei uns bringt uns die Karte. Da in Seoul nur sehr wenig bis teilweise gar kein englisch gesprochen wird, fällt uns die Kommunikation anfangs gar nicht so leicht. Jedoch ist die Speisekarte bebildert und somit funktioniert das Bestellen mit Zeigen, Lächeln und freundlichem Nicken doch ganz gut. Wir entscheiden uns für die gemischte Rindfleischplatte, welche neben dünn aufgeschnittenen Scheiben noch Rippchenfleisch und ich denke etwas Nacken enthält. Die Kellnerin wirft den Grill an und serviert uns allerlei Schälchen mit Soßen, Kimchi und eingelegtem Rettich. Sie merkt, dass wir noch etwas unbeholfen wirken und nicht wirklich wissen wie man das ganze nun „richtig“ zubereitet und isst. Sie beginnt das Fleisch für uns aufzulegen und nach kurzer Zeit, wie in der asiatischen Küche nicht unüblich, das Fleisch mit einer Schere in mundgerechte Stücke zu zerkleinern. Das Grillgut kommt dann in ein Salatblatt, zusammen mit etwas würziger Bohnenpaste und einem Stück roher Knoblauchzehe. Zusammenrollen und voila, fertig zum Verzehr. Zwischendurch etwas eingelegten Rettich sowie scharfen Kimchi und runtergespült wird alles mit Soju, einem traditionellen koreanischen Reisschnaps. Ja, so lässt es sich schon leben. Zu unserer Freude ist auswärts essen hier richtig leistbar und so schmausen wir fröhlich vor uns hin und merken, dass sich auch die Kellnerin mit uns freut, dass es uns sichtlich schmeckt. Wir sind die einzigen Touristen im Lokal und solche authentischen Momente genießen wir immer sehr.


Viel Fleisch und viel Soju!

Generell macht es nicht den Eindruck das Seoul im Moment von vielen Touristen besucht wird. Seit dem Pubcrawl sehen wir kaum andere Ausländer auf den Straßen. Gut, dass mag gegebenenfalls auch daran liegen, dass es bei zweistelligen Minusgraden für viele einfach nicht attraktiv wirkt herzukommen. Glücklich und mit vollem Bauch verlassen wir das Lokal und schlendern zurück zu unserer Unterkunft. Wir sind noch keine 48 Stunden in dieser Stadt, aber schon jetzt begeistert von dem bereits Gesehenen.

 

Am nächsten Tag hatte es laut Wetterbericht in der Nacht -14° und jetzt morgens ist es mit -9° nicht weniger unangenehm. Nichtsdestotrotz möchte ich etwas fotografieren gehen und so beschließe ich ein wenig durch die Straßen zu ziehen und nach attraktiven Motiven zu suchen. Es verschlägt mich wieder in die Hongdae Walking Street, aber da es noch frühmorgens ist, ist wieder nur wenig los und viele der Läden sind noch geschlossen. Ich tue mir schwer passende Motive zu finden und nach gut zwei Stunden brennen meine Zehen und Fingerspitzen so sehr von der Kälte, dass ich beschließe zurück zu Kerstin ins Hostel zu gehen. Auf meinem Rückweg bemerke ich einen Koreaner, der sich immer wieder zu mir umdreht und mich ansieht. Plötzlich bleibt er stehen und fragt mich in perfektem Englisch, ob ich etwa Fotograf sei? „Nein, nicht beruflich oder so. Es ist einfach ein Hobby von mir“ erwidere ich. Wir kommen etwas ins Gespräch. Sein Name ist Aden, er ist hier in Seoul aufgewachsen aber ist dann zum Studieren nach Kalifornien gegangen. Er studierte Kunst und hat die viele Jahre in den USA gelebt, bevor er seit zwei Tagen wieder zurück nach Seoul gezogen ist. Er macht einen sympathischen Eindruck und da ich die Begegnung mit Einheimischen immer besonders interessant finde, frage ich ihn, ob er nicht Lust hätte uns die Tage mal noch etwas seine Stadt näher zu zeigen und ein bisschen fotografieren zu gehen. „Klar, gerne“, meint er und so tauschen wir Whatsapp aus und verabreden uns für den übermorgigen Tag.

 

Am Nachmittag gehen Kerstin und ich noch in ein Katzen-Kaffee. Zum ersten Mal habe ich in Japan davon gehört, aber es scheint auch hier in Seoul eine Sache zu sein. Im Endeffekt ist es ein Lokal wo etliche Katzen frei rumlaufen mit denen man dann spielen und kuscheln kann. Zugegeben, der Eintrittspreis ist nicht gerade billig und schon beim Betreten des Kaffees kommt uns der Duft von diversen Katzenklos entgegen, sodass wir nach nur einer halben Stunde beschließen, wieder weiterzuziehen. Wir gehen in eine der unzähligen Fotokabinen. Das scheint eine riesen Sache hier in Seoul zu sein, weil es wirklich etliche dieser Läden gibt. Wir verkleiden uns also mit den dort zur Verfügung gestellten Accessoires und schießen eine Reihe lustiger Selfies, welche wir dann ausgedruckt aus dem Automaten vor uns bekommen. Einen Abzug behalten wir uns selbst und den anderen hängen wir zu den hunderten anderen Bildern an der Wand vom Laden, um uns dort zu verewigen. Auch die unzähligen Spielhallen gewährten uns etwas Schutz von der beissenden Kälte und bescherten uns dazu ziemlich viel Spasss. Übrigens stammt auch die weltbekannte Netflix-Serie Squid Game aus Südkorea. Tatsächlich konnten wir auch das Spiel finden, bei welchem mit einer Nadel eine Form aus einem klebrigen Zuckerkeks brechen muss - und sind kläglich daran gescheitert.


Das Squid Game Spiel namens "Dalgona"



Die Lieblings-Freizeitbeschäftigung der jungen Koreaner: Fotoautomaten und Spielsalons

Zu guter letzt gehen wir nochmal koreanisches BBQ essen. Diesesmal in ein etwas kleineres Lokal wo man an einer Art Theke Platz nimmt. Jeder Platz hat ein eigenes Bestellterminal und Grillfeld vor sich. Nachdem man die Bestellung voll elektronisch abgeschickt hat, bringt einem der Kellner das Essen und man beginnt dieses auf seinem kleinen Plätzchen abzugrillen. Ich probiere zum ersten mal Kobe Rind, welches durch seinen hohen Fettanteil und der feinen Marmorierung als besonders zart und köstlich gilt. Kerstin kannte es bereits und hat mir nicht zu viel versprochen. Es ist wirklich köstlich. Puhh, wenn das so weitergeht dann werden wir uns bald ein neues paar größere Hosen kaufen müssen. Aber bei den Minusgraden, muss man sich ja ein paar Wärmedepots zulegen.


Feinstes Kobe beef :)

Der nächste Tag führte uns zu einem traditionellen koreanischen Dorf, etwa 40 Minuten mit der U-bahn von unserer Unterkunft entfernt. Das Buckchon Hanok Dorf ist, wie der Name schon verrät, für seine Hanoks bekannt. Das sind traditionelle koreanische Häuser welche sich mit ihren markanten Dächern, den dicken viereckigen Holzpfeilern und den Schiebetüren nicht viel vom alten japanischen Baustil unterscheiden. Schon am Weg dorthin sehen wir viele Menschen, welche in eigenartigen Kleidern und Kostümen mit Hüten sich auf den Weg in dieselbe Richtung machen. Wie sich herausstellt ist es eine gängige Touristenattraktion sich mit den alt-traditionellen Klamotten einzukleiden um dann durch die Gassen zwischen den schönen Hanoks durch zu schlendern. Wir verzichten, da es ohnehin schon kalt genug ist und erfreuen uns so an dem Anblick der imposanten Architektur.


Neu eingekleidet im Buckchon Hanok-Dorf

 Am nächsten Tag treffen wir dann Aden, der Typ der mich auf der Straße angesprochen hat. Vorab hab ich ihm erzählt, dass ich gerne auf den Gwangjang Markt gehen möchte. Wie man bis jetzt vielleicht unschwer erkennen kann habe ich eine Vorliebe für allerlei Märkte dieser Welt. Als großer Sympathisant authentischer regionaler Küche und der Möglichkeit auf tolle Bilder im Street-Photography Style, finde ich, dass Märkte beides perfekt vereinen. Wir steigen mit der U-bahn eine Station vor unserem eigentlichen Stop aus, um noch durch die Gassen des Jung-Gu Markts zu gehen. Dieser Markt ist für seine riesige Vielfalt an getrockneten Fisch und Meerestieren bekannt. Unzählige Boxen mit kleineren Fischen, Tintenfischen, Krebsen, Shrimps und vielem mehr wird hier verkauft. Besonders ins Auge springt uns der sogenannte gelbe Corvina Fisch. Er wird zuerst gesalzen und dann mit einer besonderen Technik gebunden um ihn anschließend durch Lufttrocknung länger haltbar zu machen. Aden erzählt uns, dass man ihn hier Gulbi nennt und er großen Anklang in der koreanischen Küche findet.


Stände am Jung gu dried seafood market

Getrockneter gelber Corvina

Wir sind neugierig und wollen etwas mehr über die koreanische Kultur und dessen Menschen erfahren und obwohl ich politische Themen nur ungern anspreche, möchte ich wissen ob die Menschen hier durch Nordkoreas Einschüchterungen sowie der vielen Raketentests in ständiger Angst leben? Wir kennen ja nur die Seite, die uns die Medien präsentieren aber nicht, wie es denn die Einheimischen hier vor Ort empfinden. Er meint nur, seitdem seine Eltern leben, passieren diese Dinge immer wieder, aber sie, wie so viele andere, interessiert es eigentlich nicht.


Wir ziehen weiter zum Gwangjang Markt und kommen bald zu den Ständen mit mehr oder weniger leckerem koreanischem Essen. Es gibt allerlei fermentiertes und in Chilli eingelegtes Gemüse. Die Dame vom Stand sticht einen Zahnstocher in einen der aufgetürmten Haufen und reicht uns ein Stück von, naja, mit fermentierten Chillies ummanteltem Etwas. Da ich grundsätzlich beim Essen sehr aufgeschlossen und experimentierfreudig bin, nehme ich dankend an ohne zu wissen was es ist. Kerstin verzichtet und als sie erfährt, dass es ein roher Tintenfischtentakel ist, ist sie über ihre Entscheidung nicht enttäuscht. Aden erzählt uns von dem Gericht Sannakji, welches eine beliebte Delikatesse hier ist. Der Name leitet sich vom koreanischen Wort „San“ für lebendig und „nakji“ für Tintenfisch ab. Wie unschwer zu erraten ist, handelt es sich also um lebendigen Tintenfisch. Er lebt nicht mehr wirklich, sondern wird kurz vor dem Verzehr getötet, die Tentakel werden klein geschnitten und das ganze wird dann roh mit geröstetem Sesam und Sesamöl serviert. Das besondere daran ist, dass die neuronale Aktivität der Tentakel noch weiterhin intakt ist, und diese sich somit am Teller und im Mund noch weiterbewegen. Berichten zufolge ist es eine gar nicht mal so ungefährliche “Delikatesse“, weil die Saugnäpfe sich im Rachen und der Speiseröhre noch festsaugen können und somit zum Erstickungstod der Verzehrenden führen kann. Die letzte Rache des Tieres sozusagen. Kerstin wird alleine beim Anblick schon übel und obwohl ich wie gesagt doch sehr experimentierfreudig bin, auch hier ziehe ich meine Grenzen.


fermentierte in Chilli eingelegte Speisen am Gwangjang Markt

Stimmung am Gwangjang Markt


Wir gehen vorbei an dampfenden Kesseln mit ausgelösten Hühnerfüßen, klarer Brühe mit Fischküchlein, dicken Reisnudeln in Tomatensauce und wenig appetitlich aussehenden Blutwürsten. Wir nehmen nichtsdestotrotz Platz an einem Stand und die zwei Damen mit ihren warmen Wollmützen servieren uns einen Mix ihrer Gerichte. Wir müssen zugeben, nur wenig der Speisen überzeugen uns.... Wir schießen noch ein paar Bilder und ziehen dann weiter in ein nahegelegenes Kaffee um uns aufzuwärmen bei einer Tasse Tee. Danach verabschiedet sich Aden. Er hat noch einige Dinge zu erledigen und trifft sich im Anschluss noch mit seiner Familie. Wir sind ihm sehr dankbar, dass er sich die Zeit genommen hat uns Korea für ein paar Stunden etwas näher zu bringen und hoffen, ihn irgendwann mal wieder sehen zu können.


Korean Street Food

 Für Kerstin und mich geht es noch kurz in den Stadtteil Gangnam. Der Name mag für viele ein Begriff sein durch den 2012 erschienenen Musiktitel „Gangnam Style“ des koreanischen K-Pop Künstlers Psy. Generell ist K-Pop hier eine große Sache in Korea und kurz überlegen wir sogar, spaßeshalber einen Nachmittagskurs in K-Pop Tanz zu besuchen. Da wir beide aber tanztechnisch absolute Bewegungslegastheniker sind und das ganze auch gar nicht mal so billig ist, entscheiden wir uns dagegen. Da es unser letzter Abend hier in Seoul ist, gönnen wir uns lieber ein schönes Abschiedsessen und gehen noch mal lecker auf koreanisch BBQ. Seoul hat uns trotz des kurzen Aufenthalts definitiv in seinen Bann gezogen. Wir müssen unbedingt mit leeren Koffern nochmals zurückkommen... Aber nun freuen wir uns dann doch sehr auf wärmeres Wetter. In diesem Sinne, Mexiko wir kommen! 

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